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Privacy-Handbuch






Privacy-Handbuch

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chatten und Daten verschlüsseln





Aus den News gesammelt:

(Willkürlich gesammelt und ohne Anspruch auf Objektivität oder Neutralität.) 


Gedanken zum Crypto War 3.0 (11. Nov. 2020)

Wenige Tage nach dem Terroranschlag in Wien wurde bekannt, dass in der EU ein Resolutionsentwurf diskutiert werden soll, um die Verschlüsselung von Messenger Diensten wie WhatsApp und Telegram zugunsten der Sicherheitsbehörden zu schwächen. In dem Entwurf werden mehrere Optionen diskutiert und auch extreme Optionen angesprochen wie "Exceptional Access" (Generalschlüssel zum Entschlüsseln der Kommunikation für alle "Dienste"). Primäre Quelle für die Artikel in den Medien ist ein Bericht des ORF.

Der Bericht des ORF hat das Diskussionspapier vereinfacht wiedergegeben und extreme Optionen in den Vordergrund gestellt. In einigen Diskussionen im Netz wurde es noch weiter vereinfacht bis auf einen Satz: "EU will Generalschlüssel für alle Messenger!"

Meiner Meinung nach ist die Umsetzung der extremen Vorschläge unwahrscheinlich:

Das Innenminsterium hat bereits klargestellt, das die extremen Optionen zur Schwächung der Kryptografie wie die "Generalschlüssel für alle Dienste" von Deutschland nicht favorisiert werden und dass man statt dessen auf den Einsatz von Trojanern zur Quellen-TKÜ setzt.

Der Einsatz von Trojaner zur Quellen-TKÜ wurde von Deutschland vor wenigen Wochen gerade erst massiv erweitert. Neben den Strafverfolgungsbehörden dürfen jetzt auch alle Geheim­dienste die IT-Geräte von Zielpersonen hacken und Trojaner zu Überwachung der Kommunikation installieren. Außerdem sind die Telekommunikationsprovider zur Unter­stützung beim Rollout der Trojaner verpflichtet worden.

Update (12.11.20): Nach neuesten Meldungen möchte die Bundesregierung den Schwarzen Peter den Messenger Diensten zuschieben. Die Betreiber von Messengern sollen es irgendwie möglich machen, dass sie auf Anfoderung der Behörden die entschlüsselte Kommunikation von Zielpersonen liefern können - egal wie.

Threema hat sich bereits dazu geäußert und sagt: "Nein!"


Joe Biden ist "president elect" (08. Nov. 2020)

Die Dems haben die Wahl des US-Präsidenten gewonnen. In den Mainstream Medien wird gefeiert, als hätten Demokraten einen bösen Diktator beseitigt (heute 10 Artikel bei zeit.de), als wären die USA nach vier dunklen Jahren der Diktatur zur Demokratie zurück gekehrt.

Meiner Meinung nach sind und bleiben die USA eine Plutokratie, egal welcher der beiden rechte Flügel der Einheitspartei den Präsidenten stellt.

Inzwischen wurden erste Personalien für das Kabinett von Joe Biden bekannt.

Sahra Wagenknecht war eine der wenigen deutschen Politiker, die vor Illusionen über eine freundliche Änderung der internationalen Politik der USA unter J. Biden als Präsident gewarnt hat. International wird die alten Politik der "Full Spectrum Dominanz" fortgesetzt werden. Und wenn die USA der WHO und dem Klima­abkommen wieder beitreten, dann kommen sich nicht als Partner sondern um zu dominieren.

Btw: laut Einschätzung der CISA gab es in diesem Jahr keine russische Wahlbeeinflussung der US-Wahl.


Einmischung deutscher Unternehmen in den US-Wahlkampf (29. Okt. 2020)

Deutsche Unternehmen haben sich mit mehr als 5 Mio. Dollar in den Wahlkampf in den USA eingemischt.

(Ich wollte jetzt kurz vor Ende auch mal was zum US-Wahlkamp schreiben.)


Nachdenklich

Ein Zitat aus dem Artikel: Millionen meiden öffentliche Verkehrsmittel
Für den Bahn-Fernverkehr hat das Statistische Bundesamt eine Auswertung anonymisierter Mobilfunk-Daten vorgenommen. Diese zeige, [...] dass die Zahlen mittlerweile wieder bis zu 50 Prozent unter den Vorjahreswerten lägen.

Nochmal: ...das Statistische Bundesamt... - ...verwendet Mobilfunk-Daten... - ...um die Anzahl der Bahnreisenden zu schätzen...

Ich würde die Verkäufe von Fahrkarten und Platzkarten zur Schätzung der Fahrgastzahlen verwenden, aber für das Statistische Bundesamt ist es einfacher, die Mobilfunk-Daten auszuwerten. Das macht mich nachdenklich.

(Vielleicht konnte die Deutsche Bahn die Daten gerade nicht liefern, waren sie damit beschäftigt waren, alle Rechenzentren der Bahn in die Amazon und Microsoft Cloud zu verlagern?)

Vor mehr als 10 Jahre hatte Greg Skibiski als CEO der Firma Sense Networks schon seine Vision zur Nutzung der Bewegungsdaten der Smartphones:

... Mit der Beobachtung dieser Signale kann man ganze Firmen, ganze Städte, eine ganze Gesellschaft röntgen...

Damals eine Vision - ... heute haben wir den "point of no return" längst überschritten.

Zur Aufheiterung eine Buchempfehlung: Qualityland 2.0

(Lieferbar nicht nur bei Amazon sondern auch vom Buchhändler des Vertrauens in der Nähe.)

 

Assange vs. Navalny (08.10.2020)

"Die Anstalt" vom 29. Sept. 2020

J. Assange hat eindeutig mehr mediale Aufmerksamkeit verdient, gerade jetzt.

 

Novitschoks - weltweit (12.09.2020)

Ich lese nicht nur die Artikel zum Navalny Fall sondern oft auch die Kommentare. Dabei fiel mir auf, dass über die weltweite Verbreitung von Novitschok wenig bekannt ist ("ist irgendwas russisches"). Insbesondere ist wenig bekannt, dass es zwei Länder gibt, die in größerem Umfang Forschung dazu betrieben haben und eigene Novitschok Kampfstoffe entwickelten.
  1. In Russland wurden in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die chemische Kampfstoffe der Novitschok Gruppe entwickelt. Der erste Versuch war A-230, der allerdings bei niedrigen Temperaturen unter Null schnell kristalisierte und damit im Winter schlecht einsetzbar war. Verbesserte Varianten waren A-232, A-234 und A-242, die auch in den Streikräften eingeführt wurden.

    (Bei dem Anschlag auf die Scripals wurde A-234 nachgewiesen.)

    Die russischen Novitschok Kampfstoffe wurden in einem militärischen Labor in Usbekistan produziert. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wendete sich Unsbekistan mehr dem Westen zu. Die US-Amerikaner haben das usbekische Chemiewaffenlabor übernommen, um bei der Dekontaminierung zu unterstützen.

  2. Das die USA in Fort Edgewood ein Forschungs­programm zur Entwicklung neuer Novitschok Kampfstoffe betreiben, wurde 2006 vom damaligen Vorsitzenden des wiss. Beirates des OWCP öffentlich gemacht. Ergebnis der Forschung waren die Kampf­stoffe C01-A035 und C01-A039, die auch in nennenswertem Umfang produziert wurden.

    Aus den Wikileaks Cable Gates geht hervor, dass die USA zusammen mit Verbündeten 2010 eine Diskussion der Novitschok Kampfstoffe in der OWCP verhindert haben.

Die Meinung der USA änderte sich nach dem Anschlag auf die Scripals. Mit Kanada und den Niederlanden beantragten die USA beim OWCP, die russsichen Novitschok Kampfstoffe in die Liste der verbotenen Chemiewaffen aufzunehmen. Russland konterte mit dem Antrag, auch die US-amerikanischen Novitschoks zu ächten. Das OWCP hat beide Anträge angenommen und damit zum ersten Mal die Liste der verbotenen Kampstoffe erweitert.

Außerdem hat der Iran im Rahmen der Forschung zur Chemiewaffenabwehr kleine Mengen verschiedener Novitschoks produziert, um Nachweismethoden zu entwickeln. Die Forschung wurden transparent gemacht und die Ergebnisse der OWCP zur Verfügung gestellt.

Tchechien hat in kleinem Umfang Novitschok hergestellt und betreibt in Brno ein Chemie­waffenlabor in Kooperation mit der NATO, was Päsident Zeman 2018 offiziell bestätigte.

Großbritannien hat zugegeben, über kleinere Mengen von Novitschok Kampfstoffen zu verfügen.... und wer weiß, in welchen Giftschränken es noch liegt. Die Konvention über das Verbot von Chemiewaffen erlaubt jedem Land die Herstellung von jährlich bis zu 100g.  


Mit Tor oder Telegram bzw. Signal App gegen die Internetblockaden (20.08.2020)

Im Sommer 2018 hat die Regierung in Weißrussland Technik für die Überwachung des Interntdatenverkehrs mittels Deep Packet Inspection und gezielte Blockade von Internet­diensten für 2,5 Mio Dollar eingekauft. Die Technik wurde im Eiltempo installiert und offenbar kurz vor der Wahl getestet. Am 25. und 26. Juli gab es gehäufte Berichte aus Weißrussland über Kommunikationsprobleme. Es gibt die begründete Vermutungen, dass diese Probleme im Vorfeld der Präsidentenwahl auf kleine Testläufe zurückzuführen sind.

Ein wesentliches Designziel von Tor Onion Router ist die Fähigkeit, gegen Interrnetzensur robust zu sein. Außerdem möchte der Dienst politische Aktivisten beim Widerstand gegen Diktaturen unterstützen und eine sichere Kommunikationplattform bieten.

Bei den aktuellen Protesten in Weißrussland hätte Tor Onion Router sich bewähren können. Es gab eine landesweite Blockade von Internetdiensten mit modernster Technik und es gab eine Mobilisierung von großen Protesten, die eine Koordinierung via Internet erforderte - also eigentlich ideale Bedingungen für ein Anstieg der Popularität von Tor Onion Router.

In der Realität sieht so aus, dass keine nennenswerte Zunahme der Nutzung von Tor im Rahmen der Proteste und während der Internetsperre feststellbar ist. Weniger als 6.000 Tor Clients (TorBrowser o.ä.) werden pro Tag in Weißrussland gezählt und diese Zahl ist während der Proteste nach der Wahl nicht angestiegen (Quelle: Metrics TorProject.org)

Surfen
Der erkennbare Einbruch bei den direkt verbundenen Tor Clients während der Internet­blockade konnte durch die Tor Bridges problemlos kompensiert werden.
Surfen
Tor Onion Router war also in der Lage, die temporäre Internetblockade erfolgreich zu umgehen. Aber Tor Onion Router war nicht das bevorzugte Tool der Aktivisten.

Bei den Protesten in Weißrussland dominierte eindeutig der Messenger Telegram die Kommunikation. A. Bastunets, Deputy Head of the Belarusian Association of Journalists:
To be honest, Telegram channels have seized the initiative from the united opposition headquarters in terms of organizing protest actions.

Telegram besitzt ebenfalls Anti-Zensur Features gegen eine Blockade des Dienstes und konnte die Kommunikation auch während der Internetblockade aufrecht erhalten.

Einer der erfolgreichsten oppositionellen Telegram Kanälen in Weißrussland zählt NEXTA, der von 4 Moderatoren aus Warschau betrieben wird und dessen Mitgliederzahl seit Beginn der Proteste auf 2,1 Mio. Follower explodiert ist. Die Moderatoren des Kanals geben rund um die Uhr Informationen über Proteste weiter, posten Bilder und Videos für und von Journalisten und warnen Protestler vor anrollenden Polizeikommandos.

Hinweis: Es ist allerdings nicht so, das 1/5 der weißrussischen Bevölkerung diesen Kanal abboniert hat, wie man anhand der Zahlen vermuten könnte und einige Medien orakeln. Auch viele Russen und nahezu alle internationalen Nachrichtenmedien folgen diesem und weiteren Telegram Kanälen, um sich über die Vorgänge in Weißrussland zu informieren. Das internationale Publikum ist hier wahrscheinlich in der Überzahl.

Neben Telegram konnte auch Signal App die private Kommunikation prinzipiell aufrecht erhalten (im Gegensatz zu einigen anderen Messengern). Allerdings ist Signal App primär für private Kommunikation geeigent und es fehlen einige Social Features wie Kanäle.

Eine Erfahrung aus der Internetblockade in Weißrussland: Da im Rahmen der Blockade auch die App Stores von Google und Apple blockiert wurden und viele Webseiten zum Download von Anti-Zensur Tools, muss man sich VOR der Internetblockade die nötigen Tools besorgen und sich damit vertraut machen. Wenn der Shutdown aktiviert wird, ist es zu spät, um sich einen VPN Client zu besorgen. Das Telegram in Weißrussland auch vor dem Wahlsonntag bereits populäre war, war eindeutig ein Vorteil für die Nutzung während der Proteste.

Lizenz: Public Domain