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Aus den News gesammelt:

(Willkürlich gesammelt und ohne Anspruch auf Objektivität.) 

Novitschoks - weltweit (12.09.2020)

Ich lese nicht nur die Artikel zum Navalny Fall sondern oft auch die Kommentare. Dabei fiel mir auf, dass über die weltweite Verbreitung von Novitschok wenig bekannt ist ("ist irgendwas russisches"). Insbesondere ist wenig bekannt, dass es zwei Länder gibt, die in größerem Umfang Forschung dazu betrieben haben und eigene Novitschok Kampfstoffe entwickelten.
  1. In Russland wurden in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die chemische Kampfstoffe der Novitschok Gruppe entwickelt. Der erste Versuch war A-230, der allerdings bei niedrigen Temperaturen unter Null schnell kristalisierte und damit im Winter schlecht einsetzbar war. Verbesserte Varianten waren A-232, A-234 und A-242, die auch in den Streikräften eingeführt wurden.

    (Bei dem Anschlag auf die Scripals wurde A-234 nachgewiesen.)

    Die russischen Novitschok Kampfstoffe wurden in einem militärischen Labor in Usbekistan produziert. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wendete sich Unsbekistan mehr dem Westen zu. Die US-Amerikaner haben das usbekische Chemiewaffenlabor übernommen, um bei der Dekontaminierung zu unterstützen.

  2. Das die USA in Fort Edgewood ein Forschungs­programm zur Entwicklung neuer Novitschok Kampfstoffe betreiben, wurde 2006 vom damaligen Vorsitzenden des wiss. Beirates des OWCP öffentlich gemacht. Ergebnis der Forschung waren die Kampf­stoffe C01-A035 und C01-A039, die auch in nennenswertem Umfang produziert wurden.

    Aus den Wikileaks Cable Gates geht hervor, dass die USA zusammen mit Verbündeten 2010 eine Diskussion der Novitschok Kampfstoffe in der OWCP verhindert haben.

Die Meinung der USA änderte sich nach dem Anschlag auf die Scripals. Mit Kanada und den Niederlanden beantragten die USA beim OWCP, die russsichen Novitschok Kampfstoffe in die Liste der verbotenen Chemiewaffen aufzunehmen. Russland konterte mit dem Antrag, auch die US-amerikanischen Novitschoks zu ächten. Das OWCP hat beide Anträge angenommen und damit zum ersten Mal die Liste der verbotenen Kampstoffe erweitert.

Außerdem hat der Iran im Rahmen der Forschung zur Chemiewaffenabwehr kleine Mengen verschiedener Novitschoks produziert, um Nachweismethoden zu entwickeln. Die Forschung wurden transparent gemacht und die Ergebnisse der OWCP zur Verfügung gestellt.

Tchechien hat in kleinem Umfang Novitschok hergestellt und betreibt in Brno ein Chemie­waffenlabor in Kooperation mit der NATO, was Päsident Zeman 2018 offiziell bestätigte.

Großbritannien hat zugegeben, über kleinere Mengen von Novitschok Kampfstoffen zu verfügen.... und wer weiß, in welchen Giftschränken es noch liegt. Die Konvention über das Verbot von Chemiewaffen erlaubt jedem Land die Herstellung von jährlich bis zu 100g.

Disclaimer: das ist kein Kommentar zum aktuellen Navalny Fall sondern für die Allgemein­bildung gedacht. FYI! Im Fall Navalny denke ich eher - ...aber das sind Spekulationen, da es viele Seltsamkeiten gibt und keine schlüssige Theorie, die alle Puzzelteile zusammenfügt.  


Propaganda in Hochform (09.09.2020)

Die drei aktuellen Top-Artikel auf bei Zeit Online, die eigentlich alle das Gleiche sagen wollen. So geballt ist das schon echt ein Propaganda-Hammer. Keine Gegenstandpunkte zu den Thesen bei Zeit Online, die es aber durchaus gibt, auch unter deutschen Politikern.
Webseite von Zeit.de heute Nachmittag

Die politische Bedeutung von Herrn Navalny in Russland ist eher gering, längst nicht so groß, wie deutsche Mainstream Medien erzählen wollen. Er ist vor allem durch seine Recherchen zu Korruption bekannt. Seine Video­dokumentationen (bzw. die Dokus, die von ihm und seinem Team produziert werden) sind journalistisch und qualitativ sehr gut und interessant aufbereitet. Guter Journalismus, das muss man anerkennen, u.a. finanziert von...

Ich erinnere mich aber noch an ein paar andere Whistleblower, beispielsweise an den Journalisten, der ein paar unschöne Details aus Saudi Arabien veröffentlichte und dafür in der Botschaft in der Türkei gefoltert und zerstückelt wurde. Die Schuldigen an dem Mord konnten eindeutig ermittelt werden. Aber hat deshalb ein deutscher Politiker gefordert, kein saudische Öl mehr zu kaufen, das den brutalen Krieg gegen Jemen finanziert?

Dann gibt es doch einen Whistleblower, der zur Zeit im britischen Gefängnis verfault. Der UN-Sonderberichterstatter sprach in diesem Fall eindeutig von Folter... haben sich Transatlantiker wie Röttgen (CDU) oder die Grünen disbezüglich mal geäußert und wirtschaftliche Sanktionen gegen GB gefordert?

Angesichts der Doppelstandards der empörten Politiker kann ich im aktuellen Fall nur Propagada erkennen und keine glaubhaften "Werte", die irgendwer verteidigen will.

Der Fall "Navalny" wird meiner Meinung von den üblichen Transatlantikern gegen Nord Stream instrumentalisiert. An Navalny selbst haben die Transatlantiker kein Interesse, er ist nur eine aktuell brauchbare Figur auf dem Schachbrett.

(Das man mit einem Stopp von Nord Stream 2 auch deutschen und europäischen Firmen wie Uniper und Wintershall in den Hintern tritt, die sich mit Millionen Euro für Investitionen an dem Projekt beteiligt haben, müsste deutschen Politiker vielleicht auch eine Bemerkung wert sein, aber davon liest man eher selten.)


Ein Haufen Frust in den Straßen von Berlin (30.08.2020)

Es gab früher zivilgesellschaftlichen Protest, der konkrete Forderungen gegen Vorhaben der Regierenden formulieren konnte und mit organisiertem Protest auf der Straße seine Ziele auch erreichte, zwei Beispiele mal kurz zur Erinnerung:
  1. Das 2010 erlassene Zugangserschwerungsgesetz (ZugErschwG) sollte die Infrastruktur für Zensur des Internet in Deutschland etablieren, wurde aber niemals angewendet und 1011 durch den erfolgreichen Protest der Zivilgeseschaft gekippt.
  2. Die zivilgesellschaftliche Protest gegen das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Abschluss des Abkommens verzögert wurde, bis es 2016 durch die US-Regierung komplett beerdigt wurde.

In beiden Fällen gab es konkrete Ziele und auf diese Ziele ausgerichtete Proteste.

Das, was im letzten Monat als sogenanntes "breites Spektrum von Meinungen" unter dem Motto "Querdenken" irgendwie vornehmlich gegen irgendwelche Anti-Corana Maßnahmen in Berlin demonstriert, ist ein gemischter Haufen von Frustrierten, die sich vor allem gegenseitig in ihrem Frust und der Unterdrückung ihrer Meinung bestätigt sehen wollen.

Mir ist schleierhaft, welches konkrete politische Ziel die Fahnen­schwenker von türkischen Flaggen, schwedischen Flaggen, Ghandi Fahnen und Reichs­flaggen vereinen soll, wie die Reden des Veganers und des Neffe von JFK zusammen passen... und viele andere Seltsamkeiten in diesem bunten Gemisch.

Natürlich: "Merkel muss weg..." (bzw. "Das Mehrkill muss weg!", wie man es in Telegram Kanälen mit 50.000 Followern formuliert), darin ist man sich einig. Aber was kommt danach? Werden wir dann die Reichsmark wieder einführen, den Ausbau von 5G stoppen oder lieber verhindern, das die geheime Weltregierung unter Führung von Soros oder Billy + Melinda Gates uns alle über einen implantierten Chip fernsteuert? Welchen minimalen politischen Konsens gibt es unter den "quer­denkenen", rechts-offenen Demonstraten?

Dieses "querdenkende, breite Anti-Anti-Corana Gemisch" bringt 10x mehr Leute auf die Straße, als die Proteste gegen das ZugErschwG oder TTIP, aber es wird außer der gegen­seitigen Bestätigung einer irgendwie frustrierten Grundhaltung nicht viel erreichen.

Es wird den gesellschaftlichen Zusammenhalt und Grundkonsens destabilisieren, und manch einer wird das soagr gut finden, für einige Teilnehmer ist es vielleicht das eigenliche Ziel, aber ich bin da eher wenig begeistert.

Der etwas hilflose und wenig souveräne Umgang der politischen Führungselite und der polizeilichen Exekutive mit diesem Phänomen verstärkte die Entwicklung nur noch und gefällt mir auch nicht. Das weckt bei mir aber keine Sympathie für die Proteste.

 

Mit Tor oder Telegram bzw. Signal App gegen die Internetblockaden (20.08.2020)

Im Sommer 2018 hat die Regierung in Weißrussland Technik für die Überwachung des Interntdatenverkehrs mittels Deep Packet Inspection und gezielte Blockade von Internet­diensten für 2,5 Mio Dollar eingekauft. Die Technik wurde im Eiltempo installiert und offenbar kurz vor der Wahl getestet. Am 25. und 26. Juli gab es gehäufte Berichte aus Weißrussland über Kommunikationsprobleme. Es gibt die begründete Vermutungen, dass diese Probleme im Vorfeld der Präsidentenwahl auf kleine Testläufe zurückzuführen sind.

Ein wesentliches Designziel von Tor Onion Router ist die Fähigkeit, gegen Interrnetzensur robust zu sein. Außerdem möchte der Dienst politische Aktivisten beim Widerstand gegen Diktaturen unterstützen und eine sichere Kommunikationplattform bieten.

Bei den aktuellen Protesten in Weißrussland hätte Tor Onion Router sich bewähren können. Es gab eine landesweite Blockade von Internetdiensten mit modernster Technik und es gab eine Mobilisierung von großen Protesten, die eine Koordinierung via Internet erforderte - also eigentlich ideale Bedingungen für ein Anstieg der Popularität von Tor Onion Router.

In der Realität sieht so aus, dass keine nennenswerte Zunahme der Nutzung von Tor im Rahmen der Proteste und während der Internetsperre feststellbar ist. Weniger als 6.000 Tor Clients (TorBrowser o.ä.) werden pro Tag in Weißrussland gezählt und diese Zahl ist während der Proteste nach der Wahl nicht angestiegen (Quelle: Metrics TorProject.org)

Surfen
Der erkennbare Einbruch bei den direkt verbundenen Tor Clients während der Internet­blockade konnte durch die Tor Bridges problemlos kompensiert werden.
Surfen
Tor Onion Router war also in der Lage, die temporäre Internetblockade erfolgreich zu umgehen. Aber Tor Onion Router war nicht das bevorzugte Tool der Aktivisten.

Bei den Protesten in Weißrussland dominierte eindeutig der Messenger Telegram die Kommunikation. A. Bastunets, Deputy Head of the Belarusian Association of Journalists:
To be honest, Telegram channels have seized the initiative from the united opposition headquarters in terms of organizing protest actions.

Telegram besitzt ebenfalls Anti-Zensur Features gegen eine Blockade des Dienstes und konnte die Kommunikation auch während der Internetblockade aufrecht erhalten.

Einer der erfolgreichsten oppositionellen Telegram Kanälen in Weißrussland zählt NEXTA, der von 4 Moderatoren aus Warschau betrieben wird und dessen Mitgliederzahl seit Beginn der Proteste auf 2,1 Mio. Follower explodiert ist. Die Moderatoren des Kanals geben rund um die Uhr Informationen über Proteste weiter, posten Bilder und Videos für und von Journalisten und warnen Protestler vor anrollenden Polizeikommandos.

Hinweis: Es ist allerdings nicht so, das 1/5 der weißrussischen Bevölkerung diesen Kanal abboniert hat, wie man anhand der Zahlen vermuten könnte und einige Medien orakeln. Auch viele Russen und nahezu alle internationalen Nachrichtenmedien folgen diesem und weiteren Telegram Kanälen, um sich über die Vorgänge in Weißrussland zu informieren. Das internationale Publikum ist hier wahrscheinlich in der Überzahl.

Neben Telegram konnte auch Signal App die private Kommunikation prinzipiell aufrecht erhalten (im Gegensatz zu einigen anderen Messengern). Allerdings ist Signal App primär für private Kommunikation geeigent und es fehlen einige Social Features wie Kanäle.

Eine Erfahrung aus der Internetblockade in Weißrussland: Da im Rahmen der Blockade auch die App Stores von Google und Apple blockiert wurden und viele Webseiten zum Download von Anti-Zensur Tools, muss man sich VOR der Internetblockade die nötigen Tools besorgen und sich damit vertraut machen. Wenn der Shutdown aktiviert wird, ist es zu spät, um sich einen VPN Client zu besorgen. Das Telegram in Weißrussland auch vor dem Wahlsonntag bereits populäre war, war eindeutig ein Vorteil für die Nutzung während der Proteste.

Lizenz: Public Domain